Vollmondtanz


Die Abendstund legt ihren schwarzen Mantel über die schlafende Welt.
Ein Sternenmeer schmückt den Horizont, erleuchtet das weite Firmament.
Aus der tiefe des Waldes im dichten Gehölz, funkeln Augen wilder Tiere.
Ihre Blicke verfolgen die hastigen Schritte einer engelsgleichen Dirne
mit braungelocktem Haar.
Ihre weiblichen Formen schimmern schwach durch ihr dünnes, weißes Kleid.
Man sieht ihre Haut beinah.
Alleine im dunkeln, scheint sie doch ohne Furcht zu sein.
In Eile schreitet sie voran. Ihr Ziel ist nicht mehr fern.

Am Ufer eines kleinen Sees verweilt eine männliche Gestalt.
Nackt, wie Gott ihn schuf, hockt er dort am kleinen Strand.
Einzig seine schwarze, lange Mähne bedeckt sein anmutiges Wesen.
Sein ästhetisches Ebenbild spiegelt sich im Wasser der einsamen Bucht.
So hört er dann die Stimme, so zart wie ein warmer Sommerregen.
Ruft seinen Namen, hat endlich gefunden, wonach sie so lange hat gesucht.
Sie streift ihr weißes Kleid herunter. Es fällt sanft in den kalten Sand.
Bereit zu der wollüstigen Stunde, ergreift Sie seine ausgestreckte Hand.  

Viel zu lange ersehnten sie sich diesen, von Lust getriebenen, Augenblick.
So geben sie sich der Sünde hin und die Begierde kennt kein zurück.
Ihre Leiber umschlingen sich, ohne ein Wort zu sagen.
Verschmelzt sind ihre Körper und der Wind heult sein trauriges Lied.
Erschöpft liegen sie sich am Ende in den Armen.
Wohlwissend, dass der furchtbare Fluch nicht viel Zeit ihnen gibt.

Dann in der weiten Ferne ertönt ein schallender Glockenschlag.
Er durchbricht die schweigende Stille, läutet zur Mitternacht.
Rasch erheben die liebenden ihre beschwingten Glieder.
Abschiednehmend blickt er in ihr trauriges Gesicht.
Zum nächsten Tanz bei Vollmond sehen sie sich wieder.
Zum Wolf geworden kehrt er in den tiefen Wald zurück.

DEFFY